Definition: Ab wann gilt man als übergewichtig in der Schwangerschaft?
Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft werden - wie außerhalb der Schwangerschaft - anhand des BMI vor der Schwangerschaft definiert. Das Institut of Medicine unterscheidet dabei: Übergewicht ab einem BMI von 25,0 bis 29,9 und Adipositas ab einem BMI von 30,0 oder mehr. Es gilt: Maßgeblich ist immer der BMI vor Beginn der Schwangerschaft, nicht der aktuelle BMI während der Schwangerschaft.
Übergewicht in der Schwangerschaft ist häufiger als viele denken. Aktuelle Daten zeigen, dass in Deutschland etwa 30 bis 40 Prozent der Schwangeren mit Übergewicht oder Adipositas in die Schwangerschaft starten. Das bedeutet: Wenn du betroffen bist, bist du in guter Gesellschaft, und die Medizin hat umfangreiche Erfahrung mit dieser Situation.
Mögliche Risiken: Sachlich eingeordnet
Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft sind mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Komplikationen verbunden. Das bedeutet nicht, dass diese Komplikationen auftreten werden - es bedeutet, dass die statistische Wahrscheinlichkeit höher ist als bei Normalgewicht. Die wichtigsten Risikofaktoren:
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Gestationsdiabetes
Schwangerschaftsdiabetes tritt bei übergewichtigen Frauen häufiger auf. Er ist gut behandelbar, erfordert aber engmaschige Kontrollen und ggf. Ernährungsanpassungen oder Insulin.
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Bluthochdruck und Präeklampsie
Das Risiko für Schwangerschaftshochdruck und die schwerere Form, die Präeklampsie, ist erhöht. Regelmäßige Blutdruckmessungen bei Vorsorgeuntersuchungen sind deshalb besonders wichtig.
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Makrosomie
Ein zu hohes Geburtsgewicht des Kindes (über 4 kg) kommt bei übergewichtigen Müttern häufiger vor und kann die Geburt erschweren. Es erhöht auch langfristig das Risiko für Übergewicht beim Kind.
Diese Risiken sind real, aber sie sind handhabbar. Engmaschige Vorsorge, eine angepasste Ernährung und eine moderate Gewichtszunahme im Rahmen der IOM-Empfehlungen können viele dieser Risiken deutlich reduzieren.
IOM-Empfehlungen für übergewichtige Schwangere
Das Institute of Medicine empfiehlt für übergewichtige Frauen (BMI 25-29,9) eine Gesamtzunahme von 7 bis 11,5 Kilogramm, für Frauen mit Adipositas (BMI ab 30) von 5 bis 9 Kilogramm. Im zweiten und dritten Trimester sind das etwa 0,23 bis 0,33 kg pro Woche (Übergewicht) bzw. 0,17 bis 0,27 kg pro Woche (Adipositas).
Wichtig: Eine bewusste Gewichtsreduktion während der Schwangerschaft wird vom IOM und der AWMF ausdrücklich nicht empfohlen. Selbst bei Adipositas sollte das Gewicht nicht aktiv reduziert werden - das Risiko für eine Unterversorgung des Kindes ist zu groß. Ziel ist eine kontrollierte, maßvolle Zunahme im unteren Bereich der Empfehlungen, nicht eine Nullzunahme oder Abnahme.
Ernährungstipps nach DGE-Empfehlungen
Eine ausgewogene Ernährung ist in der Schwangerschaft grundsätzlich wichtig - bei Übergewicht besonders. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt:
- Viel Gemüse und Obst (mindestens 5 Portionen täglich), reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen
- Vollkornprodukte statt Weißmehl für langanhaltende Sättigung und stabilen Blutzucker
- Mageres Protein (Hülsenfrüchte, Fisch, Geflügel, fettarme Milchprodukte) statt verarbeiteter Fleischprodukte
- Gesunde Fette aus Nüssen, Olivenöl, fettem Fisch (Omega-3) und Vermeidung von Transfetten
- Zuckerhaltige Getränke und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren
- Ausreichend Flüssigkeit: mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee täglich
Ein Crash-Programm oder eine stark kalorienreduzierte Ernährung sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Kleine, regelmäßige Mahlzeiten helfen, den Blutzucker stabil zu halten und Heißhungerattacken zu vermeiden.
Bewegung und Sport in der Schwangerschaft bei Übergewicht
Moderate Bewegung ist bei unkomplizierter Schwangerschaft nicht nur erlaubt, sondern empfohlen - auch bei Übergewicht und Adipositas. Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Risiko für Gestationsdiabetes nachweislich, verbessert die Kreislaufgesundheit und kann die Stimmung stabilisieren. Geeignet sind Gehen, Schwimmen, Aqua-Fitness, Yoga für Schwangere und leichtes Radfahren.
Vor dem Start mit einem intensiveren Trainingsprogramm solltest du immer Rücksprache mit deiner Frauenärztin oder Hebamme halten. Bei bestimmten Risikofaktoren - etwa Plazenta praevia, vorzeitiger Wehentätigkeit oder schwerer Präeklampsie - können Einschränkungen gelten.
Wann ist ärztlicher Rat besonders wichtig?
Übergewichtige Schwangere profitieren von einer engmaschigeren Vorsorge. Besonders wichtig sind der Glukosetoleranztest zwischen SSW 24 und 28 (Screening auf Gestationsdiabetes), regelmäßige Blutdruckmessungen und eine sorgfältige Gewichtsdokumentation bei jedem Vorsorgebesuch. Wenn du merkst, dass du trotz bewusster Ernährung weit über den IOM-Richtwerten zulegst, ist ein Gespräch mit deiner Ärztin oder Hebamme sinnvoll - früh genug, um ggf. gegensteuern zu können.
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Quellen
- Institute of Medicine (IOM): Weight Gain During Pregnancy: Reexamining the Guidelines, 2009
- AWMF: S3-Leitlinie Adipositas und Schwangerschaft (Register-Nr. 015-081), 2019
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ernährung in der Schwangerschaft, 2. Auflage
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Empfehlungen für Schwangere